Von C nach K.

Die Fischer Transalp 2014. Und was dahinter steckt.

An einem frühsommerlichen Nachmittag ging Mitte März die nunmehr vierte Fischer Transalp zu Ende. Wieder war es eine spannende Reise, diesmal von Cortina durch die Dolomiten und über den Alpenhauptkamm nach Kufstein. Im jahrelangen Vergleich verlief diese Transalp verhältnismäßig problemlos, mit eher längeren Etappen, perfektem Wetter, lässigen Leuten und einem ziemlich beeindruckenden und abwechslungsreichen Panorama. Das Strahlen in den verschwitzten und gut gebräunten Gesichtern der Teilnehmer hat diesen positiven Eindruck, so denke ich, bestätigt.

 

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Typischer Transalpvormittag.

Ebenfalls zum vierten Mal wurden wir (also Die Bergstation) von Fischer mit der Planung und Durchführung der Transalp betraut, eine verantwortungsvolle und verdammt coole Aufgabe, die uns immer wieder fordert und freut. Wie kam das, und was tun wir eigentlich im Hintergrund? Das soll dieser Text ein wenig beleuchten.

Christian steht vor der Tür

2010 gründeten Peter Perhab und ich (Stephan Skrobar) Die Bergstation. Das 2009 wiederbelebte Fischer Freeski Team (dem ich angehören darf) ging in die zweite Saison. Und Christian Lutz übernahm mit einer Liste neuer Ansätze die Marketingleitung bei Fischer. Eine dieser Ideen war, die Alpen auf Skiern zu durchqueren, und zwar in Begleitung motivierter Skitourengeher und -innen. Mit dieser Idee stand Christian im August 2010 vor der Tür und sagte: „Macht das!“ Also machten wir, und im März 2011 fand die erste Fischer Transalp statt.

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Peter und Stephan beim Arbeiten. (Malfon, Transalp 2012)

 

Die Planung

Die Planung beginnt traditionellerweise in Flipflops und Boardshorts im Büro von Christian im Fischer HQ in Ried/Innkreis, meist an einem überdurchschnittlich heißen Sommertag. Eine große Übersichtskarte der Alpen wird am Boden ausgebreitet und Christian zeigt mir vage was er sich vorstellt. „Wir könnten doch dort drüber, was meinst?“ Die Route soll jeweils neu sein, eventuell für Fischer marketingmässig verwertbare Punkte passieren und sicherheitsrelevante Varianten zulassen. Dann trinken wir Kaffee und ich schleich mich in die Ramsau/Dachstein zu Peter, um mir die Hände zu reiben und „Aufwachen Perhab! Es ist Transalpzeit!“ zu rufen. Peter knödelt sich dann die nächsten Wochen hinter Karten, Bildbände und ans Telefon, um Information über die Geländeformen auf möglichen Etappen einzuholen. Und zwar nicht nur allgemeine Informationen, sondern genaue Details über Rinnen und Hänge, Einzugsgebiete, Start- und Zielorte. Peter ist seit vielen Jahren in der Bergführerausbildung tätig und greift auf ein Netzwerk an Freunden und Kollegen zurück, das uns jederzeit mit Informationen über regionale Bedingungen weiterhelfen kann. In den Wochen vor der Transalp gehen wir dann einzelne Etappen ab, um uns über Schneebedingungen und Zustiege zu informieren und GPS Daten abzuspeichern.

 

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Dort zum Beispiel. (Aleitenspitze, Transalp 2014)

Das Casting

Im vierten Jahr der Transalp wuchs die Anzahl der Bewerbungen ins annähernd Unüberschaubare, die genaue Zahl wissen wir nicht. Wir sind in das Auswahlverfahren erst gegen Ende involviert und bekommen zu Jahresbeginn von Fischer zwanzig außerordentlich beeindruckende Teilnehmerprofile. Unsere Aufgabe ist es nun, auf einer gemeinsamen Skitour ein Team von acht Leuten auszusuchen. Nicht einfach. Gar nicht einfach. Fit sind sie nämlich alle, das fällt als Kriterium fast immer weg, vielmehr spielen Skikönnen, mentale Belastbarkeit, soziale Kompetenz und dergleichen eine Rolle. Schließlich soll hier eine Gruppe mit interessanten und unterschiedlichen Charakteren ein alpin homogenes Team bilden, das sich in anstrengenden und stressigen Situationen gut versteht. Es sind nämlich – Kameraleute, Medienvertreter und uns Berg- bzw Skiführer mitgerechnet – meist über fünfzehn Menschen unterwegs. Eine Fußballmannschaft mit Wechselspielern, sozusagen. Oder die Waltons.

 

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„Good night, Himalaya Hias!“ (Transalp 2014)

Am Weg

Ebenso traditionell sind die hektischen Telefonate in den Tagen vor der Transalp und dass Christian uns am ersten Transalptag die ehrlich gemeinten aber nie wahr werdenden Worte „So! Ich hab jetzt eine Woche Ruhe und brauch‘ mich um nix kümmern!“ entgegenschmettert. Neben Christian und uns beiden war auch Sepp Schweiger bei bislang jeder Transalp dabei. Sepp gilt als Bergführerlegende, ebenfalls einst in der Ausbildung tätig und einer der erfahrensten Alpinisten zwischen Graz und Grenoble. Außerdem ist der Mann ein wandelndes alpines Lexikon.
So begleiten die Transalp mit Peter, Sepp und mir zwei Bergführer und ein Skiführer. Die Kompetenzen sind unausgesprochen verteilt. Peter ist der Chef, Sepp assistiert eher bei Aufstieg und ich eher bei Abfahrt. Bei kurzfristigen Notwendigkeiten hilft derjenige, der schneller dabei ist. Solche Situationen ergeben sich öfters, viele Teilnehmer werden sich sicher an solche Momente erinnern. Gefahrenabsicherung, Hilfestellung bei Übergängen, Seilsicherung, Spurarbeit undsoweiter.
Jeden Abend lümmeln Peter, Sepp und ich in unserem Zimmer über dem Kartenmaterial des nächsten Tages, ändern notfalls GPS Punkte, besprechen kritische Abschnitte und die Moral der Gruppe, telefonieren mit einheimischen Bergführern und diskutieren, was wir zu Abend essen werden (Schnitzel).

 

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“Mit Petersilkartoffeln.” (Casati Hütte, Transalp 2013)

Ob wir so eine Transalp dann auch noch genießen? Und wie. Gerade bei der Fischer Transalp 2014 war ziemlich viel ziemlich fein. Wir hatten Glück mit Wetter und Schnee, das Team war entspannt und bis zuletzt motiviert, wir haben vier Gipfel mitgenommen und die Tragepassagen waren bis auf den finalen Hatscher nach Kufstein kurz wie der Atem nach einem Schluck niederösterreichischem Birnenschnaps. Uns ist bewusst, dass wir hier eine privilegierte Tätigkeit ausüben dürfen, so verantwortungsvoll sie auch sein mag. Jedes Jahr eine neue Route mit gleichgesinnten Menschen, das ist schon cool. Bis nächstes Jahr, und Danke an Steffi, Astrid, Doris, Sebastian, Hias, Josef, Armin, Hermann, Sebastian, Hannes, Axel, Hansi, Hans, Alex, Martin und Christian.

 

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Deswegen. (Krimmler Achental, Transalp 2014)

Die Fotos stammen von Hannes Kirchner/Fischer und Astrid Hainz, vielen Dank.
Detailierte Nachlese zur Fischer Transalp 2014 gibts auf der Fischer und Alpin Website. Und noch mehr Fotos.

Stephan Skrobar ist staatlich geprüfter Skilehrer und Skiführer, leitet Die Bergstation, fährt im Fischer Freeski Team und ist Alpinausbilder im steirischen Skilehrerverband.

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