Trailrunning – Sebastian Huber und das Laufen über die Berge

sebastian huber

Im Bild: Ein zweifacher Familienvater. (Foto: Klaus Fengler/Gore-Tex Transalpine Run 2016)

Der Sebastian Huber ist einer, der im Slayer Shirt am Gehsteigrand sitzt, eine Zigarette raucht während sein Hund neben ihm selbstvergessen an seinem Gemächt leckt. „Bumm, schaut der fertig aus“, denkt man mitleidig und kramt nach Münzen in der Tasche.

Dass Sebastian trotz auffallend wachem Blick fertig aussieht (und sein Hund Oskar eventuell auch) liegt aber weniger an ausschweifendem Lebensstil, sondern dass er wahrscheinlich gerade ein paar Marathons und ein paar Tausend Höhenmeter über die Berge gelaufen ist. Huber ist ein beachtlich guter und erfahrener Bergläufer.

Außerdem sind Basti und ich schon lange sehr gut befreundet und waren oft gemeinsam unterwegs. Also haben wir uns ganz seriös über die muntere Freizeitbeschäftigung des Trailrunnings unterhalten. Basti hat seine Erfahrungen und Weisheiten geteilt.

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Wir waren jung und brauchten den Göll. (Foto: Ollen Stein, 2012)

Was ist Trailrunning?

„Trailrunning fängt für mich nicht erst in den Bergen oder im Wettkampf an, sondern wenn man in der Natur unterwegs ist und den breiten Forstweg verlässt. Das muss nicht steil sein, das kann tatsächlich im Flachland sein, das kann im deutschen Mittelgebirge sein, das kann an der Algarve sein, es gibt überall Trampelpfade, genug Steige, die den Namen Trail verdienen. Ich glaube, es schreckt viele ab, dass das, was von Medien und Werbung kommuniziert wird, immer ins Hochalpine geht. Das wäre dann erst der höchste Level. Um zu beginnen braucht man nur Laufschuhe mit einem halbwegs passablen Profil und ein gewisses Körpergefühl.“

Das Körpergefühl beim Trailrunning

„Koordinativ ist Trailrunning sicher fordernder, schult den Körper aber umfangreicher. Anders als beim Geradeauslaufen werden mehr Muskelgruppen beansprucht, einfach weil sich der Untergrund und die Neigung permanent ändert. Abgesehen davon, dass Gleichgewicht und Propriozeption trainiert wird, finde ich Trailrunning auch weniger belastend als Asphaltlaufen.“

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Propriozeptionstraining. (Foto: Dynafit)

Der alpine Aspekt

„Drei grundlegende Faktoren machen das alpine Trailrunning aus: Du musst gut Karten lesen können. Du musst das Wetter verstehen. Und du musst dein eigenes Können richtig einschätzen, um rechtzeitig reagieren und gegebenenfalls umkehren zu können. Zusammengefasst heißt das, alpinistisches Denken aufzubauen. Für mich ist das reizvoll, für andere ist das abschreckend. Bei organisierten Events wird dir zum Teil mit Labestationen und Markierungen diese Verantwortung abgenommen.“

Was gefällt dir am Trailrunning nicht?

„An der Szene dieses elitäre „Wir-sind-anders“ Denken, was mich bei Sportarten die ich selber mache, gerne nervt. Weil aus den Beweggründen beim Trailrunning – schnell durch die Natur unterwegs sein und dabei Spaß haben – abzuleiten, den besseren, cooleren Sport auszuüben, das finde ich überheblich. Das Abdriften in den Lifestyle finde ich bei Sportarten generell problematisch, weil es zu Überheblichkeit führt. Ich würde mich nicht als reinen Trailrunner bezeichnen, sondern als Bergsportler, der gerne schnell am Berg unterwegs ist, egal ob mit Ski, Rad oder zu Fuß.“

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Auch wegen der Aussicht. (Brandjochspitze)

Über Sebastian Huber

Sebastian schluckt mit Ski, Rad und zu Fuß jährlich rund 150.000 Höhenmeter (sagt er), und hat unter anderem Lavaredo Ultra Trail (119k/5850m+) Cortina d’Ampezzo, Dolomiti Extreme (53k/3800m+) Val di Zoldo und Gore-Tex Transalpine Run (250k/15000m+) hinter sich gebracht, und zwar richtig flott. Er ist Partner bei der Distillery in Innsbruck.

 

Über den Autor

Stephan Skrobar ist staatlich geprüfter Skilehrer und Skiführer, Alpinausbildner für den steirischen Skilehrerverband, Team Manager des Pieps Freeride Teams und Leiter vom ‚Die Bergstation Freeride & Alpin Center‘.
Stephan betreibt eine Kommunikationsagentur und liebt Punkrock. Beide (Stephan und Punkrock) sind nicht immer ernst zu nehmen.

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