Winterwetter

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Das Wetter bei uns in der Gegend. (Foto: Tom Klocker)

Manche Fragen, die der Skilauf mit sich bringt, hängen von bestimmten Umständen ab. „Papa, kannst mir die Handschuhe über die Jacke ziehen“ wird von Unter-10-Jährigen täglich gestellt, taucht aber im weiteren Lebensverlauf selten auf. „Glaubst finden wir einen Platz in der Hütte“ stellen sich erst Gruppen von vier oder mehr trinkfreudigen Schneesportlern regelmäßig. „Warum will mir Skigebietswerbung Investitionen verkaufen“ fragt sich wahrscheinlich ein Großteil der Liftbenutzer, meistens mit Verwunderung.

Eine Frage stellen wir uns aber alle täglich, unabhängig von Alter, Können, Geschlecht oder Jahreseinkommen. „Wie wird’s Wetter.“

Das Wetter begleitet jeden Ausflug in die winterlichen Berge und hat großen Einfluss darauf, wie wir unsere Zeit im Schnee in Erinnerung behalten. Zum Wetter hat jeder eine Meinung, es steht als greifbares Smalltalk Thema zur Verfügung und ist doch einer der wichtigsten Faktoren im Leben von Touristen und Touristikern, Alpinisten und Skigebietsmaschinisten, Gastgewerbe und Dienstleistungsbetrieben.

Es Wetta. Es wird.

Als Wetter bezeichnet man den spürbaren, kurzfristigen Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort der Erdoberfläche, der unter anderem als Sonnenschein, Bewölkung, Regen, Wind, Hitze oder Kälte in Erscheinung tritt. In der Sprache des inneralpinen Österreichs zusammengefasst: Es Wetta.

Die Großwetterlage

Zuerst betrachten wir bei unserem Blick auf den Alpenraum und das Winterwetter die Großwetterlage. Unterschiedliche Großwetterlagen können prinzipiell zu jeder Jahreszeit auftreten und wiederkehrende Muster (zB. „Westlage“, „Nordlage“) werden in Klassifizierungen der Wetterdienste zusammengefasst. Bestimmend für die genaue Position der Druckzentren – also die Großwetterlage – sind, vor allem im Winter, die Entwicklung des Polarwirbels und der Jetstream.

Im Herbst ist der Jetstream meist noch recht weit im Norden und der Einfluss des subtropischen Hochdruckgürtels ist im Alpenraum oft noch deutlich zu spüren. Im Hochwinter, bei maximaler Ausdehnung des Polarwirbels, liegt der Jet weiter im Süden und längere Perioden mit sonnigem, stabilen Wetter sind viel seltener. Stattdessen sind rasche Wetterwechsel mit immer neuen Tiefs typisch, bei vergleichsweise stürmischem Wettercharakter. Im Frühjahr (Skitourensaison!) dreht sich das dann wieder um.

Hauptwindrichtung

Wo kommt das Ganze her? Die Alpen liegen in der sogenannten Westwindzone, die so heißt, weil der Wind fast immer aus westlichen Richtungen kommt. Die lokale Windrichtung kann sich stark von der großräumigen Windrichtung in höheren Atmosphärenschichten unterscheiden, es ist daher schwierig, allgemein gültige Aussagen zu treffen. Was in einem Tal außergewöhnlich ist, mag in einem anderen Tal völlig normal sein.

Gibt es die perfekte Region, in der es jede Nacht schneit und jeden Tag die Sonne scheint?

Abgesehen davon, dass so ein Szenario für einige Skifahrer, Skitourengeherinnen und Alpinisten eine absonderliche Vorstellung ist, die dem Bergerlebnis einiges an Würze nehmen würde, gibt es so eine Region bei uns im Alpenraum nicht.

Grundsätzlich hat die lokale Topographie starken Einfluss auf Wind und Niederschlag, aber auch hier lässt sich das nicht verallgemeinern. „In den Dolomiten ist immer schlecht und in den Nordalpen immer gut” gilt nicht. Tatsächlich sind aber gewisse Regionen bei bestimmten Wetterlagen anfälliger für starken Wind als andere, beispielsweise die sogenannten “Föhnschneisen”. Das hängt mit der Ausrichtung der entsprechenden Täler und mit Geländeformen zusammen, die den Wind kanalisieren, wenn er aus der richtigen Richtung kommt. Windrichtung und -stärke beeinflussen Schneequalität und Gefahrenquellen, was den Wind wiedermal als protziges Alphatier der Schneegestaltung dastehen lässt.

Der Wetterbericht für Wintersportlerinnen und Wintersportler

Der Wetterbericht ist für uns mehr als belustigtes Schmunzeln über Ausdruckstanz vor dem Green Screen: Mit der binären Aussage „das Wetter ist gut/schlecht“ fangen wir wenig an.

Wichtig sind generell für uns die Faktoren

  • Windstärke
  • Windrichtung
  • Temperatur
  • Niederschlagsmenge
  • Luftfeuchtigkeit

denn aus ihnen ergibt sich die Antwort, wie der Schnee ist. Meteorologen helfen uns bei der Interpretation, für Interessierte und Profis sind dazu die landesweit verbreiteten Wetterstationen ein unerlässliches Werkzeug. Sie zeigen aktuelle und vergangene Daten und helfen so, ein Gesamtbild der Wettersituation zu erstellen, und auch Gefahrenmuster zu erkennen. Eine Übersicht der Stationen findet sich auf lawis.at.

Antworten auf alle Wetterfragen hat Lea Hartl gegeben, ohne sie wäre dieser Artikel sehr kurz geworden. Lea ist Meteorologin am Innsbrucker Institut für interdisziplinäre Gebirgsforschung (ÖAW) und befasst sich dort vor allem mit den Zusammenhängen zwischen Gletschern, Permafrost, Schnee und Klima.

Über den Autor

Stephan Skrobar ist staatlich geprüfter Skilehrer und Skiführer und Alpinausbildner für den steirischen Skilehrerverband. Gemeinsam mit Peter Perhab leitet er das ‚Die Bergstation Freeride & Alpin Center‘. Stephan betreibt eine Kommunikationsagentur und liebt Punkrock und das Wetter.

(Dieser Artikel wurde für das SportAktiv Magazin geschrieben.)

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