Es ist Schuppenzeit. Ein Blick auf das Fischer Profoil.

Im kommenden Winter wird Fischer eine neue Aufstiegshilfe auf den Markt werfen, die das traditionelle Steigfell ersetzen soll. Was steckt dahinter? Ein Blick auf die Pros und Cons. Die Fotos sind von Fischer und der Transalp.

Doch zuerst kommt einmal ein fetter Disclaimer: Ich fahre seit 1998 für Fischer, bin Gründungsmitglied des Fischer Freeski Teams und werde von den Menschen in Ried – wo Fischer zu Hause ist – extrem gut behandelt und bekomme immer mindestens einen Kaffee wenn ich auf Besuch bin. Man kann also Befangenheit attestieren und wird damit wahrscheinlich Recht behalten. Andererseits zwingt mich niemand, diesen Text zu schreiben, auch bekomme ich kein Geld dafür. Ich versuche also, meine Erfahrungen so objektiv wie möglich zu beschreiben. Trotzdem wird die Analyse positiv ausfallen. Warum, steht unten.

Das Profoil. Die Klapperschlange der Skibergsteigerei.

Was ist das jetzt genau?

Das Ding heißt Profoil und ist aus Kunststoff. Vereinfacht gesagt ist es eine Folie mit Schuppen, die ein Vorwärtsgleiten ermöglichen, und ein Rückwärtsrutschen verhindern. Man kennt das von Langlaufskiern, davon produziert Fischer ja auch das eine oder andere Paar. In der Mitte sind die Schuppen in Laufrichtung, auf der Seite sind sie schräg. Das verhindert seitliches Abrutschen bei Querungen. Bei den ersten Prototypen vor zwei Jahren gab es die seitlichen Schuppen noch nicht, was das Leben nicht unbedingt leichter gemacht hat. Jetzt passt es.
Befestigt wird das Profoil auf der Lauffläche wie ein herkömmliches Fell – geklebt und hinten mit Spange fixiert. Allerdings werden beim Profoil die Kanten nicht freigelassen, vielmehr schließt die Folie bündig mit der Seitenkante ab. Das ist ein wichtiger Punkt und ist einer der größten Produktvorteile.


Und warum sollte ich das Profoil verwenden?

Fischer wirft da selbstbewusst ein paar Punkte in die Welt.

“Es gleitet besser.”

Das stimmt. Es gibt in Laufrichtung spürbar weniger Widerstand, das Ding ist einfach schneller. Vergleicht man hernach ein herkömmliches Fell wirkt das Fell in der letzten Phase des Schrittes erstaunlich bremsend. Dafür ist das Profoil nicht so spurstabil, das heißt es schmiert bei harten Bedingungen seitlich ganz leicht ab. Gleiches gilt für den Abstoß. Die Schuppen liegen ein paar Millimeter auseinander, und genau diesen Abstand rutscht man in der Vorwärtsbewegung zurück bevor das Foil greift. Das klingt irritierend und ist es anfänglich auch. Außerdem ist es bei gefrorenen Frühjahrsbedingungen am Morgen ziemlich laut. Erstaunlicherweise habe ich mich an diese Eigenschaften recht schnell gewöhnt und konnte meinen inneren Hulk besänftigen und mich mehr über die gewonnene Geschwindigkeit freuen.

“Der Grip”

Fischer behauptet “Egal ob nass oder trocken, kalt oder warm, die spezielle PROFOIL Struktur bietet maximalen Grip bei unterschiedlichsten Schneebedingungen.” Auch hier gibt es Für und Wider und auch hier überwiegen die Pros. Beginnen wir mit den Nachteilen. Bei einer Neuschneehaut auf Harsch schmiert es, bevor es greift. Und es ist anfällig für großflächiges Stollen. Zweiteres haben wir durch Testen ziemlich gut in den Griff bekommen. Da es sich beim Profoilmaterial um normales Belags-P-Tex handelt, reicht Auftragen und Polieren mit einem guten Langlaufwachs (zum Beispiel Toko Grip & Glide) um das Stollen so gut wie komplett auszuschalten.
Einer der gewichtigsten Vorteile liegt meiner Meinung nach im Kantengriff des Profoils. Da das Foil mit der Kante abschließt, bekommt man im Aufstieg auf einmal wirklich guten Kantengriff ohne nach hinten wegzurutschen. Das erleichtert das – auch steile – Queren bei harten Bedingungen ohne Harscheisen, auch Spitzkehren werden einfacher (vgl. Zochenpass Richtung Kerschbaumer Törl bei der Transalp 2015). Das Profoil will selbstbewusst gegangen werden, dann greift es tatsächlich sehr gut. Diesen Eindruck haben etliche Kollegen geteilt und wir finden das Wort “selbstbewusst” am passendsten.

“Nimmt kein Wasser auf”

Naja. Stimmt natürlich. Allerdings bleibt auch ein neues Fell relativ trocken, hier spielt der Gewichtsunterschied also erst im Vergleich mit einem alten Fell eine Rolle, das ja mehr Wasser aufnimmt.

Making tracks. Leaving tracks.

Das Profoil im täglichen Gebrauch

Es ist ja ziemlich lässig, dass wir (also Die Bergstation) seit fünf Jahren die Fischer Transalp planen und führen dürfen. Dieses Jahr waren alle Teilnehmer und natürlich auch wir Guides mit Profoils unterwegs. Bis zur Transalp im März habe ich das Profoil auf rund zehn Touren in unterschiedlichen Bedingungen getestet, und war vor dem Start der Alpenüberquerung noch ein bissl unsicher, ob mich das Profoil nicht irgendwo in den Lienzer Dolomiten im Stich lassen würde. Hat es nicht, und auch die anderen zwölf Alpenüberquerer und Innen nicht. Im Gegenteil.

Eine leichte Umstellung ist das Auflegen und Abnehmen des Profoils. Beim Zusammenfalten ist eine kurze Schutzfolie notwendig, da hier Kleber auf Kleber nicht funktioniert. Ich habe nie Trennfolien verwendet, weil ich das auf eine Stufe mit Haareföhnen stelle und außerdem ein fauler Hund bin. Und auch wenn mich das jetzt bei der Profoil fast ein bissl stört, ist das Zusammenfalten auch bei Wind, Schneefall und dergleichen kein Problem. Im Rucksack braucht das Profoil nicht mehr und nicht weniger Platz als ein herkömmliches Fell, ist aber weniger biegbar. Ich verwende keinen zusätzlichen Beutel, sondern ein Pieps Skifix um das Foil zu komprimieren und Platz zu sparen. Und nachdem man das Foil ja nach der Tour nicht lange trocknen muss, kann man es gleich wieder auf den Ski knallen.
Das – und wir haben auf der Transalp viele Begriffe gefunden – “auffoilieren”, “foilen” oder “Plastik geben” funktioniert auch bei Wind und Wetter, wichtig ist bestimmtes und Kantengenaues Anlegen des Foils, von vorne nach hinten. Die Umstellung dauert vielleicht drei Touren lang, dann sitzen auch diese Handgriffe.

skitragen
Man trägt Profoil. Transalp 2015.

Neben dem schon erwähnten Kantengrip bei Querungen, der Initialreaktionen im positiv erstaunten “Dafuq?” Bereich hervorruft, spielt das Profoil noch einen Trumpf aus, an dem sich herkömmliche Felle die Zähne ausbeißen. Mit dem Ding kann man abfahren. Denn sobald man eine geringe Grundgeschwindigkeit erreicht hat, lässt sich der Ski fast normal fahren. Das sollte man ausprobiert haben.
Die Geschichte ist natürlich noch nicht zu Ende. Zur Zeit wird im Hause Fischer und den Bergen des Landes weiter getestet, und ja, auch im Labor wird getüftelt, hört man. Über die Langlebigkeit des Profoils kann ich noch keine Erfahrungswerte präsentieren, und auch die theoretischen Möglichkeiten bieten noch Platz nach oben. Für mich funktioniert das Profoil, ich verwende kein herkömmliches Fell mehr und selbst wenn es so wäre würde ich von Fischer nicht mit Liebesentzug bestraft werden. Mir taugt es einfach, und ich freue mich auf die weitere Entwicklung. Meinungen und Feedback sind erwünscht und willkommen.


Über den Autor

Stephan Skrobar ist staatlich geprüfter Skilehrer und Skiführer, fährt im Fischer Freeski Team, ist Alpinausbildner für den steirischen Skilehrerverband, Team Manager des Pieps Freeride Teams und Leiter vom ‘Die Bergstation Freeride & Alpin Center’. Stephan betreibt auch eine Kommunikationsagentur und liebt gepflegten Punkrock. Beide (Stephan und Punkrock) sind nicht immer ernst zu nehmen.

9 thoughts on “Es ist Schuppenzeit. Ein Blick auf das Fischer Profoil.”

  1. hallo Stefan,
    Ich liebe Skitouren und spiele Klassik-Rock, und nehme das im Gegensatz zu Dir sehr ernst…..
    nicht zuletzt auf Grund Deiner nicht unsympatischen Schreibweise, hab ich mich für Fischer Ski + Plastik Fell entschieden. Du kannst Dir guten Gewissens das ein oder anderes Käffchen mehr kredenzen lassen.
    Ob´s hinhaut wird der Winter zeigen
    Rock & Roll

    1. Danke Peter! Lass uns wissen wie dir das Profoil zusagt und viel Spaß bei den vielen Touren, die dir der Winter bringen wird.
      Stephan

  2. Jetzt mal ehrlich. Das Fell ist einfach noch nicht marktreif. Wir haben das Fischer – Foil auf Herz und Nieren getesten. Wir hatten zwar nur 4 Testpersonen (mich eingeschlossen, jeweils 2 Testtage im Februar 2015) aber wir gehen seit ewig auf Tour, ich bin ein großer Fischer-Fan und Händler und hätte mich gefreut etwas neues zu empfehlen. Es gibt leider nicht einen einzigen Punkt wo das Fischer Fell besser ist als ein gutes, neues Mohairfell. Da geh ich jede Wette und jeden Vergleich ein. Es gleitet nicht besser und wenn dann ist es unangenehm laut, es ist nicht leichter, es rutscht merklich 1-2 cm pro Schritt zurück (also steigt es schlechter), es ist nicht billig, wenn die Bedingungen sind stollt es sehr und es hat keine zeitgemäße Adhäsionshaftschicht…leider .. gut gedacht aber nicht verkaufbar. So ist die Realität. LG Hansjörg Wolf Sport Wolf Innsbruck

    1. Hallo Hansjörg, danke für dein Feedback!

      Ich habe versucht – auch unter dem Vorbehalt, eventuell aufgrund meines Naheverhältnisses zu Fischer voreingenommen zu sein – die Vor- und Nachteile des Profoils so objektiv wie möglich zu beschreiben. Die Realitätsnähe habe ich durch die Anzahl der Profoiltage (so ungefähr 30) und den Gesprächen jener, die das Profoil verwendet haben (so ungefähr 20 Leute) einzuholen versucht.

      Wo ich dir recht gebe, ist die Qualität des Klebers (Stand Februar 2015), die Verbesserungspotential hat. Darauf bezieht sich meine Formulierung “auch im Labor wird getüftelt”. Ansonsten bleibe ich bei meiner Einschätzung, zumal ich die von dir angeführten Punkte (mit Ausnahme der Gleitfähigkeit, die ich immer noch als herausragend sehe) alle unter den Nachteilen angeführt habe, um auch gleichzeitig deren Vorteile zu beleuchten. Daraus hat sich für mich ein insgesamt positives Bild ergeben. Ich hoffe du testest das Profoil noch weiter und lasst uns wissen, wie es dir geht.
      Empfehlenswert auch die Analyse meines Kollegen Lukas Ruetz.

      Übrigens war ich in den letzten Wochen ein paar Tage mit dem Profoil bei uns am Dachstein unterwegs, und ich wiederhole meine Einschätzung vom Frühjahr. Das Ding will selbstbewusst gegangen werden, dann ist es geil!

      Viele Grüße aus der Steiermark,
      Stephan

  3. Ich habe eher ein Problem mit dem mechanischen Verhalten – meine Profoils sind nicht wirklich Plan sondern haben die Tendenz sich konkav Kante zu Kante aufzuwölben – also das ist eher als Schaß zu qualifizieren, da sich da nona der Schnee fängt und die Haftung pfutsch ist!

    1. Das ist mir auch aufgefallen. allerdings liegen sie beim Gehen dann wieder plan an. Bei mir fängt sich Schnee maximal bis kurz nach der Schaufel.

  4. Ob es wohl möglich ist so ein foil das auf fischer xy paßt, mit geringem übermaß auf einen anderen ski zuzuschneiden, oder absolut
    unmöglich ?
    GrußMichael

    1. Hallo Michael,

      Ja, ist möglich (solang das Profoil breiter als dein Ski ist und also die ganze Kante abdeckt).
      Du musst die Fixierung ändern, und Garantie bzw Gewährleistung fällt weg. Lass uns deine Erfahrungen bitte wissen. Cheers, Stephan

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